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Latte voll im Fluss

Mit dem Tretboot von Hamburg nach Berlin

8. September 2015


Knapp 400 Kilometer in sieben Tagen. Das war das Ziel der rund 25 Schiffbaustudenten aus Hamburg. Dies ist die Strecke von Hamburg nach Berlin, auf dem Wasserweg. Bezwungen werden sollte diese Strecke auf Tretbooten.

Die Boote:

Die Boote wurden neben dem Studium von den Studierenden selbst entwickelt und gebaut. Hunderte Stunden Arbeit stecken in jedem einzelnen. Vier an der Zahl nennen die Hamburger ihr Eigen. Nach und nach wurden sie in den letzten 25 Jahren gebaut. Unzählige Modifikationen und Verbesserungen haben sie über sich ergehen lassen. Sie sind optimiert auf maximale Performance. Bei den Rennen, die unter anderem auf der International Waterbike Regatta (IWR) gefahren werden, kommt es neben der Fitness der Fahrer, auf Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit an. Bei der IWR sind acht Disziplinen zu bestreiten. Die Regeln besagen, dass die Boote von nur zwei Tretern, so werden die Fahrer genannt, mit den Beinen bewegt werden dürfen. Zudem darf keine Energie zwischengespeichert werden und das Boot darf die Gesamtlänge von 6 Metern nicht überschreiten.

Der Startschuss:

Voller Stolz wurden die zwei Spitzenreiter der HEYLIGEN FRAWE LATTE zu Hamburg (So nennt sich die Fachschaft Schiffbau in Hamburg) Reynold (Gewinner IWR 2014, Istanbul) und Imperator (amtierender Weltmeister) aufgebockt der Presse am Tag der Abreise präsentiert.

Gerade standen die Boote noch an Land, umringt von dem Team, das letzte Handgriffe an den Rennmaschinen tätigte. Und im nächsten Moment lagen sie im Wasser, drehten die letzte Proberunde im Seitenarm der Elbe am Ruder-Club Süderelbe. Ein letztes Anlegen am Steg. Ein paar nette Worte zum Abschied von Prof. Dr. Sönke Knutzen, dem Vizepräsident für Lehre der TUHH, und der Startschuss fiel.
Pünktlich um 13 Uhr legten die zwei menschenbetriebenen Rennboote gefolgt von ihrem Begleitboot unter den Augen von Kommilitonen, ehemaligen Studierenden, Gönnern der Schiffbaustudierenden zu Hamburg und der Presse guten Mutes ab.

„Die Tagesetappen, die bis zu 90km lang waren haben sich teilweise ganzschön in die Länge gezogen. Doch persönlich empfand ich die ersten Kilometer auf der Elbe am schlimmsten.“ Sagte Sven Möller, der zu denen gehört, die mit den Tretbooten abgelegt haben. „Der kräftige Strom der Elbe ließ die Landschaft gefühlt nur im Schneckentempo an uns vorüberziehen.“

Einige der motivierten Studenten bestritten einen Teil der Tagesetappen auf dem Fahrrad, bis zum nächsten Wechselpunkt. Dort wurden die Positionen getauscht. Die Jungs und Mädels von den Booten stiegen auf die Fahrräder und die „frischen“ von den Fahrrädern auf die Tretboote. „Der rege Wechsel war nötig, da wir alle keine Profisportler sind. Mit dem Tretboot zu fahren ist vergleichbar mit einer Bergauffahrt im stehen auf einem Fahrrad. Und das hält keiner lange durch.“ So Nils Schwickardi.

Die Zeltlager zum Einkehren wurden parallel von unserem Land-Team auf und abgebaut. Sie sorgten für Essen und gute Stimmung. Ohne diese hervorragende Backgroundarbeit wären wir bestimmt nicht so weit gekommen.

Kurze hohe, flache lange und zu weilen auch mal schäumende Wellen durchbrachen wir mit unseren durchschnittlichen knapp 10km/h. Bunte Felder, grüne Wiesen, Brücken, Dörfer und Anleger sahen wir zu beiden Seiten an uns vorbeiziehen. Überholten langsame Schiffe und Boote und wurden von den schnelleren überholt. Kleine sowie große Schleusen bremsten uns immer wieder aus. Dabei trafen wir Schleusenwärter, die für uns Überstunden machten, sodass wir noch bis zum Campingplatz kamen und viele Schaulustige, die uns erstaunt und belustigt in die Boote schauten.

Kurz vor Schluss:

Kaputte Schleusen, Regen, Wind und Dämmerung konnten uns nichts aufhalten. Näher und näher kamen wir Berlin, unserem Ziel. Doch dann drohte unsere Reise, am letzten Tag, kurz vor dem Ziel zu Enden. Schwere Gewitter wurden angekündigt. Die Kilometerzahl war bereits einstellig und wir glaubten an unseren Erfolg. Ca. fünf Kilometer vor der Berliner-Stadtgrenze mussten wir dann doch unsere Fahrt in einem Hafen gewitterbedingt Pausieren. Auf Grund der fortgeschrittenen Uhrzeit entschieden wir uns die Fahrt dort abzubrechen. Die Enttäuschung war groß! So kurz vor dem Ziel zu scheitern. „Schlussendlich war es die richtige Entscheidung. Das Risiko im Gewitter weiter zu fahren wäre unverhältnismäßig hoch gewesen.“ Erklärte Lea Lübke, die mit Nils Schwickardi zusammen die Etappenplanung für die vergangenen Tage erstellt hat.
Die Boote wurden bei Taschenlampenschein auf unseren Anhänger geladen. Und leider über die Straße die letzten Kilometer bis zur Stadtgrenze und dann weiter nach Berlin-Grünau zur Regattastrecke überführt.

„Insgesamt sind wir sehr stolz auf unsere Kommilitonen! Das es am Ende nicht geklappt hat lag nicht an ihnen.“ Berichtete Paul Boge mit einem grinsen im Geschicht. Er konnte leider durch seine Masterarbeit die Anreise nicht mitbestreiten ist aber für die anstehende Regatta nach Berlin gekommen.



Geschrieben von Sven Lutz Möller



IWR 2015 Berlin
8. September 2015


Nach der Ankunft der Boote und des gesamten Materials ging es sofort mit dem Aufbau unserer Boxengasse los. Noch in der Nacht war sie komplett errichtet, einweiteres Gewitter mit starken Böen sorgte leider dafür, dass dies nicht von Dauer war. Am nächsten Morgen also alles nochmal von vorne. Während ein Teil die Boxengasse wieder zusammenflickte, begann das Racecommittee mit den Vorbereitungen für die Rennen. Starthelfer und Zielrichter wurden eingewiesen.

34 Boote aus ganz Europa, von Schiffbaustudierenden aus sechs Ländern ausgedacht und gebaut traten gegeneinander an um den begehrten Wanderpokal am Ende mitnehmen zu dürfen. Der Wanderpokal wächst traditionell immer weiter. Der Sieger baut immer ein Stück an. So finden sich bereits mehrere Propeller, Ketten- und Zahnräder und vieles mehr an dem 25 Jahre alten Pokal. Die Abende sind fröhlich und der Sinn der IWR kommt zum Vorschein. Das Zusammentreffen von Studierenden aus nah und fern. Der Austausch von Erfahrungen und der Schluss von neuen Freundschaften.

Insgesamt wurden etwa 50 Rennen und Wiederholungsrennen gestartet. Immer wieder kämpften die Teams mit technischen Problemen. Auch die Hamburger mussten schwer kämpfen. Kaputte Ruder, Schaufelräder und rutschende Kupplungen standen auf der Reparaturliste. Bis zum Ende blieb es Spannend.

Versuche der Teamchefs sich gegenseitig und der Rennleitung das Leben durch waghalsige Regelinterpretationen schwer zu machen, sorgte nicht nur bei den Hamburgern und beim Racecommittee für hitzige Diskussionen. Schluss endlich siegten die Polen mit ihrem Boot Rector, vor dem Hamburger Boot Reynold, dem Gewinner der IWR 2014 in Istanbul.

„Leider ist die IWR immer so schnell vorbei. Wir freuen uns aber riesig darauf alle nächstes Jahr in Wien wieder zu sehen.“ Sagte Laura Schmietendorf, ehemalige Schiffbaustudentin aus Hamburg, die es sich nicht nehmen lässt zu dem internationalen Treffen der europäischen Tretbootszene weiterhin mit zu fahren. Im kommenden Jahr ist die IWR in Wien, dort werden sie und viele weitere Hamburger wie auch dieses Jahr mit vier Booten um den Sieg kämpfen. Sie sind fest entschlossen den Pokal 2016 wieder mit nach Hamburg zu nehmen.



Link:

IWR2015.de

IWR2016.at

 

Geschrieben von Sven Lutz Möller